Sarah Simonetti

Sarah Simonetti

Impulszeit Elternzeit – Im Gespräch mit Sarah Simonetti

Erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist.

Ich heiße Sarah Simonetti, bin (noch) 28 Jahre alt und eine der beiden Wortgefährtinnen. Ich habe eine fünfjährige Tochter und Kleinling#2 ist unterwegs. Es wird wieder ein Mädchen und wir freuen uns sehr auf den neuen Familienzuwachs. Im August letzten Jahres habe ich mich mit meiner ehemaligen Arbeitskollegin selbstständig gemacht. Tanja Nolte und ich haben die Wortgefährten gegründet. Wir schreiben Texte für Webseiten, Onlineshops, Blogs, übersetzten von Deutsch nach Englisch und vice versa und realisieren Storytelling-Projekte nach Vorgaben des Kunden. Mehr über unser Business findest du auf www.wortgefaehrten.de. Als Ausgleich zur Bildschirmarbeit, arbeite ich an DIY-Projekten und habe Spaß am Upcycling von Paletten und anderem alten Zeug.


Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Als Mutter lernt man ganz neue Dinge über sich selbst. Man erkennt seine eigenen Grenzen und man wächst darüber hinaus. Man sieht sich plötzlich in einem ganz neuen Licht. Da sind auf einmal Stärken und Schwächen, die vorher nicht da waren. Vor allem aber wird man als Mutter bedeutend stärker. Man entwickelt ein ganz neues Selbstbewusstsein. Aber die Elternzeit war für mich noch viel mehr: Es war die härteste und stressigste Zeit in meinem Leben. Ich habe Nerven gelassen… sehr viele. Unsere Tochter war gerade ein paar Monate alt, als mein Mann und ich heirateten. Nach dem Antrag vergingen drei intensive Monate der Planung und Umsetzung unserer Hochzeit und das war gleichzeitig der Startschuss in eine schwere Zeit. Nach unserer Hochzeit ergab sich für uns die Möglichkeit, eines der letzten Grundstücke in einem neuen, familienfreundlichen Wohngebiet zu ergattern. Es war immer unser Traum, dort hin zu ziehen und kurz nach dem Kauf des Grundstücks begann die Bauphase. Jeder der einmal gebaut hat, weiß, wie hart und anstrengend das ist. Es kam also alles auf einmal. Wir als Paar mussten nicht nur in das Elternsein hineinwachsen, sondern wir mussten auch als Ehepaar und Bauherren zusammenwachsen. Wir waren oft frustriert, erschöpft und manchmal auch enttäuscht. Es war viel für so junge Eltern wie uns, aber längst nicht alles, denn ich wollte die Elternzeit nutzen um weiter zu kommen. Ich hatte mich bereits in der Schwangerschaft für einen Platz im Berufskolleg um eine Weiterbildung beworben. Damals bekam ich keinen Platz, da ich einfach zu spät dran war. Dafür war mir ein Jahr später der Platz sicher. Das war nur eben genau das Jahr in dem wir Eltern wurden, heirateten und bauten. Im Sommer, unsere Tochter war nun ungefähr sieben Monate alt und das Haus war mitten im Bauprozess, begann ich dann meine dreijährige Weiterbildung zur staatlich geprüften Betriebswirtin in Fachrichtung Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik und legte den Grundstein zu meiner Selbstständigkeit.

Hattest Du ein „Impulserlebnis“? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast? 

Ich wollte bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wenn ich nach der Elternzeit in die Berufswelt zurückkehre. Als einfache Bürokauffrau war mir klar, dass dies schwierig werden könnte, da mir auch die Berufserfahrung fehlte. Eine Weiterbildung schien mir genau das richtige um mich von der Menge abzuheben. Mir war allerdings nicht klar, dass es fast unmöglich ist, als Mutter einen Arbeitsplatz zu finden. Den Einstieg machte ich nach zwei Jahren Elternzeit in der Firma meines Bruders auf 450 Euro-Basis. Aber ich wollte wieder mehr Geld verdienen und das konnte ich dort nicht. Also sprach ich mit der Agentur für Arbeit. Es wurde schnell deutlich, dass ich keine sonderlich guten Aussichten hatte, da ich nicht so flexibel war, wie es die Arbeitgeber gerne gehabt hätten. Wie auch als Mutter? Für mich schien der einzige Weg der in die Selbstständigkeit zu sein. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Erfahrung im Bereich Content-Erstellung konnte ich bereits in der Firma meines Bruders sammeln. Fast zeitgleich kam ein erneuter Kontakt zu meiner ehemaligen Arbeitskollegin zu Stande, die das gleiche Problem hatte, wie ich, und schnell war klar: Wir machen was zusammen! 

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Natürlich gehört die Elternzeit in erster Linie den Kindern! Nutzt die Elternzeit um als Menschen zu reifen und neue Perspektiven zu entdecken, Pläne zu schmieden und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Was erwartet euch nach der Elternzeit? Denn gewiss wird es nicht mehr so sein wie es vorher einmal war. Eventuell ist es für euch die beste Gelegenheit einen neuen Weg einzuschlagen. Als Mütter und Väter – als Familie und vielleicht auch als Unternehmer.

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