Luba Klein

Foto Luba mit Baby

In diesem Gespräch erzählt Luba über ihre eigenen Elternzeit-Erfahrungen und zieht den eindeutigen Schluss: Elternzeit ist eine wertvolle Zeit: „Die Elternzeit ist eine Auszeit, in der ihr das Leben neu bewerten und schauen könnt, ob sich eine Veränderung oder gar ein Neubeginn lohnen würde.“ Lest selbst, dann wisst Ihr, was wir meinen…

Erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist.

Hallo! Ich bin Luba Klein und heute bin ich das sehr gerne. Heute weiß ich, wer ich bin und was meine Aufgabe und meine Berufung ist, zumindest für den aktuellen Abschnitt meines Lebens. Ich liebe diese Aufgabe und freue mich jeden Tag, meiner Berufung zu folgen. Bereits seit drei Jahren bin ich EchtSein-Coach und Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. In meiner Arbeit unterstütze ich Menschen, ihren eigenen Weg zu finden (und auf diesem zu bleiben) und ihre persönlichen Werte zu leben. Ich liebe es, eine Begleiterin auf dem Weg der persönlichen Wachstumsprozesse zu sein! Ich bin jeden Tag dankbar, dass Menschen, die zu mir kommen, mir ihr Vertrauen schenken und mir einen Blick in ihre innere Welten und in ihr Leben erlauben. Ich freue mich über jedes Lächeln, das sich auf den Gesichtern meiner Kunden während und am Ende des Termins zeigt. Die Freude begleitet mich auch in meiner Familie. Da ich drei Kinder habe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand gute Laune hat und diese weitergibt, sehr groß. Tatsächlich klappt es immer wieder, dass mein Mann und ich uns von der kindlichen Freude anstecken lassen. Ja, ich bin heute ein rundherum glücklicher und erfüllter Mensch.

Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Meine Elternzeit ist zweigeteilt. Der erste Teil ist schon etwas her. Meine beiden „Großen“ sind 6 und 8 Jahre alt und ich muss zugeben, dass ich damals nicht ganz in das Muttersein eintauchen konnte. Als mein erster Sohn geboren wurde, hatte ich direkt nach dem Mutterschutz mit meinem BWL-Studium weitergemacht und als mein zweiter Sohn erst drei Monate alt wurde, habe ich meine erste Projektleitung angenommen. Ich lebte sehr leistungsorientiert und hatte große Karrierepläne. Allerdings hatte ich in dieser Zeit kaum Verbindung zu meinen Kindern und fühlte mich irgendwie getrennt. Getrennt von mir, von meiner Familie, von der Lebendigkeit. Mir dämmerte es, dass mein Ziel, immer mehr Leistung zu erbringen – ob beruflich oder als Mutter oder Ehefrau – nicht Sinn des Lebens sein kann. Und ich habe mich auf die Suche begeben. Meine Suche hat mir den Weg zu mir selbst und zu meinem Muttersein gebracht. Ich entdeckte ein neues Leben für mich und entschied mich, alles dafür zu tun, dieses Leben nicht mehr los zu lassen.

Trotz der Traurigkeit über den ersten Teil meiner Elternzeit – der Zeit, in der ich weit entfernt von meinen Kindern war – bin ich meinen Söhnen sehr dankbar. Sie haben mir immer wieder gespiegelt haben, dass ich nicht das Leben führte, das ich mir wünschte. Ich bin meinem ältesten Sohn dankbar dafür, dass er so viel Charakterstärke hatte, dass ich mich auf die Suche nach anderen Kommunikations- und Konfliktlösungsmodellen begeben habe. Ohne diese Hilfe wäre ich vermutlich immer noch gefangen in dem Hamsterrad meines alten Berufes und meinen täglichen Bemühungen, Ansprüchen anderer zur genügen.

Mein jüngster Sohn ist jetzt 8 Monate alt und durch die intensive „Vorarbeit“ der Jahre vor seiner Geburt habe ich das Geschenk des Mutterwerdens und Mutterseins mit ganzem Herzen und voller Dankbarkeit annehmen können. Diesmal war ich wach, verbunden, voller Urvertrauen. Alles war anders, die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach. Ich und mein jetziger Mann haben die gemeinsamen Monate am Anfang genossen. Meine älteren Söhne haben sich mit uns zusammen gefreut und geholfen, wo sie konnten. Dieses kleine Wesen hat mich so gestärkt und so viel Urvertrauen in mir geweckt. Er war so ein ruhiges und zufriedenes Baby, dass ich mich getraut habe, bereits in der Elternzeit den Wünschen meiner Kunden nachzukommen und meine Coaching- und Seminartätigkeit wieder aufzunehmen. Ich erfuhr dabei, wie nährend es sein kann, eine Mutter aus vollem Herzen zu sein und gleichzeitig meiner Bestimmung weiter zu folgen. Ich war erfreut, dass ich dadurch eine Idee hatte, ab sofort meinen Kunden eine Coaching- oder Seminarteilnahme mit ihren Baby / Kind anzubieten. Es gibt nichts Schöneres als ein Babylächeln. In seine liebevolle und neugierigen Äuglein zu sehen, gibt jedem Menschen Kraft und schenkt Freude. Warum also darauf verzichten und sich entweder für das Zusammensein mit Baby oder Weiterbildung zu entscheiden?

Hattest Du ein „Impulserlebnis“? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast?

Ein Erlebnis auf einer Bahnfahrt vor fünf Jahren hat mir einen Vorgeschmack gegeben, wie erfüllend es für mich ist, Menschnen zu begleiten. Ich saß in einem Regionalzug. Es war an einem Tag nach einem Fußballspiel, an einem Tag, an dem man lieber keine Regionalbahn nehmen sollte, da diese mit jubelnden und singenden Fußballfans gefüllt ist. Ein Schaffner kam zu mir und wollte meine Fahrkarte sehen. Ich stellte ihm eine Frage und wir kamen ins Gespräch. Ich merkte, dass der Schaffner etwas genervt war und seine Arbeit schien ihm gerade zum Hals herauszuhängen. Da ich gerade von einem Empathie-Seminar kam, hatte ich viel Ruhe in mir und wollte am liebsten, dass alle Menschen um mich herum glücklich sind. Also entschied ich dem Schaffner Empathie zu geben. Ich hörte ihm zu, stellte hier und da eine weitere Frage und gab ihm einen Raum. Er sagte, dass er es kaum abwarten könne, in Rente gehen zu können. Ich nickte verständnisvoll und stellte vorsichtig weiter Fragen. Und auf einmal fingen seine Augen an zu leuchten. Er erzählte mir, warum er eigentlich diesen Beruf ausübt, dass er eigentlich stolz wäre, für die Menschen da zu sein und während der Fahrt ihnen helfend zur Seite zu stehen. Es ginge eben nicht nur um Fahrkartenkontrolle, es sei viel mehr und er sei oft mit dem Herzen dabei. Es gibt nun mal Tage, an denen es ihm schwer fällt, aber im Grunde liebe er seinen Job. Das waren seine letzte Worte, bevor wir uns verabschiedeten. Ich blickte ihm hinterher und dachte, ich will mehr davon. Diese Entwicklung meiner Mitmenschen zu beobachten, zu ihrer Freude beizutragen, eine Hilfe bei dem Perspektivenwechsel zu leisten – das alles erfüllte mich mit Freude und Glücksgefühl, welches ich nicht mehr missen wollte. Auf dieser Bahnfahrt wurde mir klar, dass ich meine Berufung gefunden habe! Es war ein sehr schöner Abend und ich freue mich heute über die Entscheidung meine Elternzeit für eine Fortbildung zum Coach zu genutzt zu haben!

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Elternzeit ist eine Auszeit. Eine Auszeit vom Trubel der Außenwelt. Die Zeit mit dem Baby hat andere Dimensionen. Es kann sein, dass die Nacht auf einmal zum Tag wird und andersherum. Versucht solche Momente als ein Geschenk zu sehen – eine Möglichkeit das Leben aus anderen Perspektiven zu betrachten. Wenn eure Baby um 5 Uhr morgens auf einmal hell wach ist, kann es ein Impuls sein – nutzt es, zieht euch an, packt eurer Baby ein und geht raus in den Park. Es ist alles anders, ruhig und einsam. Zu bestimmter Jahreszeit könnt ihr sogar einem wunderschönen Konzert der Vögel lauschen. Es gibt immer etwas Schönes, etwas Sehenswertes, etwas anderes zu sehen. Elternzeit ist eine Zeit der Perspektivenwechsel, Zeit des Neubeginns, eine Zeit, in der die Uhr einfach anders läuft. Nutzt diese Möglichkeit, nehmt es an, dieses Geschenk. Schaut eurem Baby zu und versucht seine Freude nachzuempfinden, seiner Neugier und seinem Erstaunen zu folgen. Nehmt eine andere Perspektive ein und schaut, ob das Leben so vielleicht doch schöner und liebenswerter sein kann.

Die Elternzeit ist eine wertvolle Zeit. Schaut eurem Baby in seine tiefen Augen und fragt euch, was jetzt wirklich wichtig ist. Wollt ihr das Leben wie vor der Geburt dieses wunderbaren Menschen weiter leben oder wollt ihr doch einige Korrekturen vornehmen? Die Elternzeit ist eine Auszeit, in der ihr das Leben neu bewerten könnt und schauen könnt, ob sich eine Veränderung oder gar ein Neubeginn lohnen würde.

Wie will ich leben? Ist mein Leben so, wie ich es mir vom ganzen Herzen wünsche? Ist mein Leben das beste, was mir passieren könnte oder lebe ich gerade ein Sonderangebot?

Nehmt euch Zeit, schaut eurem Baby beim Schlafen zu und denkt an diese Fragen. Seid ehrlich bei den Antworten und sorgt euch nicht zu sehr um den Weg zu den gewünschten Antworten. Wenn die Wünsche erst einmal definiert sind, zeigen sich die Wege, wie wir diese erfüllen können. Wir brauchen nur das Vertrauen und die Geduld. Und das könnt ihr eurem wunderbaren Baby abgucken – dieses Wesen hatte so viel Vertrauen und Geduld, dass es auf diese Welt kam. Vertrauen in uns, dass wir es gut versorgen werden und es hat viel Geduld mit uns, wenn wir wieder mal versuchen, perfekte Eltern zu sein. Dabei geht es gar nicht darum, eine perfekte Mutter oder ein perfekter Vater zu sein. Es geht darum, glücklich zu sein. Glücklich mit dem, was wir gerade tun. Im Hier und Jetzt – präsent, wach und verbunden!

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