Halima Lohbeck (Mama Mia)

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Bei elterngarten dreht sich alles um die persönliche und berufliche Weiterentwicklung während der Elternzeit – trotz Baby, mit Baby! Ein guter Ausgleich zu Pekip, Babymassage und Co. Klar, dass wir unsere Chance genutzt haben Halima von Mama Mia zu interviewen. Danke Halima für das tolle Interview, Du inspirierst tagtäglich tausende Eltern in Elternzeit mit Deinem Blog. Wir freuen uns total, dass Du uns erzählst, wie prägend für Dich Deine Elternzeit war, welche Impulserlebnisse Du hattest und was Du Eltern in Elternzeit auf ihrem Weg der persönlichen und beruflichen Veränderung mitgeben möchtest. Und wir finden es übrigens schon cool, dass Du und wir elterngarten-Gründerinnen unsere beruflichen Wurzeln im gleichen Konzern haben. Elternzeit verbindet :-).

Liebe Halima, erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist.

Ich bin Halime, 38 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Söhnen (3,5 und knapp 6) . Ich bin Volljuristin und arbeite als HR Business Partner mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Sozialpartnermanagement in einem DAX Unternehmen. Zusätzlich schreibe ich seit mehr als 4 Jahren erfolgreich an meinem Blog „Mama Mia“, in dem es um das pralle Leben mit Kindern geht: persönliche Geschichten, viel Humor und Herz, Rezepte, Tipps und vieles mehr.

Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Die Elternzeit (oder besser: mein erstes Kind) hat alles auf den Kopf gestellt. Ich dachte ja, ich kriege mal eben ein Kind, und dann mache ich weiter wie bisher. Weit gefehlt natürlich! In den ersten Wochen als Mutter hatte ich manchmal das Gefühl, ich wusste nicht mehr, wo oben und wo unten ist. Mir fehlte mein Beruf, meine Kollegen, Freizeit mit Freunden, mein Sport. Jetzt drehte sich alles nur noch ums Baby und ich war manchmal geradezu eifersüchtig auf meinen Mann, der sich im Büro mit anderen Eltern austauschen konnte, während ich mich oft isoliert fühlte. Nach ein paar Wochen fand ich einen neuen Rhythmus. Mir war klar, dass mein „altes Leben“ nicht mehr da war, aber ich trauerte dem keinesfalls nach. Es ist einfach eine gewaltige Umstellung, vom Paar auf eine Familie, vom unabhängigen Karrieremensch zur Mutter. Das dauert eine Weile, aber je schneller man versteht, dass das neue Leben einem nichts wegnimmt, sondern ganz viele neue Aspekte bietet, umso schneller wird man mit der neuen Rolle glücklich. Ich fand schnell heraus, dass man sich als Eltern ständig neu finden und erfinden muss. Kaum hat man einen Weg gefunden, alles unter einen Hut zu bringen, da bricht schon wieder eine neue Ära an: Der Wiedereinstieg in den Job steht an, ein kleines Geschwisterchen kommt, die Eingewöhnung in die Kita, die Einschulung – die Veränderungen kommen manchmal so schnell hintereinander und so unerwartet! Ich habe gelernt, dass man bereit sein muss, jederzeit alte Routinen über den Haufen zu werfen, um mit neuen Situationen in der Familie zurecht zu kommen. Eine Fähigkeit, die mir heute auch im Job hilft.

Hattest Du ein „Impulserlebnis“? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast?

Warum ich mit dem Bloggen angefangen habe, kann ich heute gar nicht mehr so genau sagen, aber ich habe nach ein paar Monaten gemerkt, wie viele Menschen ich mit dem, was ich ins Netz stelle, erreiche. Ich habe so viel positives Feedback bekommen und der Blog wuchs so schnell, dass mir klar wurde, dass ich bei ganz vielen Eltern mit meinen Kolumnen einen Nerv treffe. Das hat mich natürlich beflügelt, immer weiter zu machen – bis heute, wo ich mit Job und zwei Kindern eigentlich kaum Zeit für dieses sehr aufwändige Hobby habe. Ich bin froh, dass ich in der Elternzeit die Chance genutzt habe, den Blog zu dem aufzubauen, was er heute ist. Ich suche immer noch jeden Tag nach neuen Wegen, Kinderbedürfnisse, Karriereambitionen und Partnerschaft zu vereinen und freue mich, wenn ich mit der Dokumentation meines Weges andere ermutigen kann. Und es ist natürlich ganz besonders schön für mich, dass der Impuls für meinen Blog und all die Ideen gerade aus meinem Leben mit den Kindern kommen.

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Zuallererst: Nutzt die Zeit mit Eurem Kind. Wenn man eines Tages zurück in den Job geht, wird es in jedem Fall turbulent und dann es ist besonders wichtig, dass man eine sichere Bindung zum Kind hat. Dann lässt es sich nämlich für alle viel besser aushalten, wenn das Kind auch mal länger in der Kita bleiben muss, weil das Meeting einfach nicht enden will. Und je mehr man in der Elternzeit lernt, sich als Familie aufeinander einzulassen, umso besser klappt das auch später, wenn immer neue Herausforderungen warten. Und: Relax! Ich hatte das Gefühl, ich muss ganz schnell zurück in den Job, weil mich sonst alle vergessen, aber das ist natürlich quatsch. Wenn man wertvoll für die Firma ist, dann ist man das auch in ein paar Monaten noch. Aber wenn der Chef es einem übel nimmt, dass man in Elternzeit geht, dann tut er das bei 3 Monaten Elternzeit nicht weniger als bei 12. Und wenn man die Elternzeit wirklich genießen kann, dann kommen einem ganz bestimmt tolle Ideen für die Zukunft.