Eva Vedder

Impulszeit Elternzeit – Im Gespräch mit Eva Vedder

Eva ist unsere elterngarten Coach für den Standort Duisburg. Sie hatte sich bei uns schon gemeldet, als elterngarten erst ein halbes Jahr alt war, war völlig begeistert von der Initiative und wollte einfach ein Teil davon sein. Warum, dass erzählt sie unter anderem in diesem Interview. Denn Eva lebt einfach das, was unsere Message ist: Kinder sollten besser integriert werden in die „sonstigen“ Bedürfnisse der Eltern, wie eben z.B. die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Eva erzählt von ihren Erfahrungen, ihre kleine Tochter bei ihrer systemischen Ausbildung dabei gehabt zu haben oder ihrer Bürogemeinschaft mit anderen Müttern und deren Kindern. Eva, jetzt hat es geklapptt! Wir heißen Eva herzlich willkommen und freuen uns für die Duisburger, dass sie jetzt auch die Möglichkeit haben an einem Elternzeit Basecamp teilzunehmen!

Erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist.

Mein Name ist Eva Vedder. Ich bin Diplom Biologin, systemische Beraterin und Mutter von zwei Kindern (*2012 und *2015). Ich lebe mit meinem Mann und unseren Kindern in Duisburg und begleite dort Mütter und Väter auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben (www.selbstbestimmtsein.com). Mein eigenes Leben und meine Arbeit gestalte ich so, dass ich viel Zeit mit meinen Kindern und meiner Familie verbringen kann. Mir ist Zeit wichtiger als materieller Konsum und ich verzichte lieber auf schicke Möbel oder teuren Urlaub als auf die Freiheit, mein Leben so entspannt und selbstbestimmt wie möglich zu gestalten.

Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Meine erste Tochter habe ich während meiner systemischen Ausbildung geboren. Für mich war von Anfang an klar, dass ich die Ausbildung zu Ende machen werde. Überrascht hat mich allerdings, wie einfach es für mich war, auch mit Kind weiter an der Ausbildung teilzunehmen. Vor allem, als meine Tochter noch ein Säugling war, konnte sie einfach dabei sein und ich konnte ihre und meine Bedürfnisse gut miteinander vereinbaren. So nahm sie von Anfang an stillend, im Tragetuch oder auch auf dem Boden an Übungen, Skulpturen und Beratungen teil.

In meiner zweiten Elternzeit bin ich auf Mütter gestoßen, die ihre Arbeit in „Bürogemeinschaften“ erledigen. Die Mütter treffen sich zusammen mit ihren Kindern und können sich ihrer Arbeit widmen, während die Kinder zusammen spielen. Für mich ist das eine ausgezeichnete Möglichkeit, meine eigene berufliche Tätigkeit und die Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringen will, zu kombinieren. Glücklicherweise habe ich zwei Mütter in meiner Nachbarschaft gefunden, mit denen ich das auf diese Weise organisieren kann. So erledige ich meine unternehmerischen Tätigkeiten größtenteils, wenn meine Kinder in der Nähe sind. Natürlich gibt es auch Termine, die ich alleine wahrnehmen will oder in denen ich in Anwesenheit meiner Kinder nicht angemessen arbeiten könnte, z.B. in einer Beratungssitzung. Dann bleiben sie bei meinem Mann, bei anderen Verwandten oder meinen Bürogemeinschaftspartnerinnen.

Auf Grund meiner eigenen Erfahrung, meine Kinder auch während beruflicher Tätigkeiten und Weiterbildung dabei zu haben, war ich direkt von der elterngarten Idee begeistert, die Kinder mitzubringen. Ich freue mich sehr darüber, dass hierdurch Kinder wieder ein Stück mehr in unser Leben integriert werden. Ich freue mich darüber dass wir uns bewusst machen und dafür sorgen, dass viele Dinge aus unserem bisherigen Leben mit- oder besser noch zusammen mit- Kindern auch weiterhin möglich sind. Für mich persönlich gehört das zu einem selbstbestimmten Leben als Mutter dazu und daher brenne ich so dafür und bin dankbar Teil dieses Projekts sein zu dürfen.

Hattest Du ein „Impulserlebnis“? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast?

Bei mir war es eher ein Prozess. Die systemische Beraterinnenausbildung habe ich ursprünglich gar nicht mit dem Ziel begonnen, das auch beruflich zu tun, sondern als Möglichkeit zu Entwicklung und Bereicherung für mein Leben. Während der Ausbildung habe ich dann aber Feuer gefangen und hatte das Gefühl, irgendwie „angekommen“ zu sein – zumindest was die Sicht auf die Welt und ihre Prozesse betrifft. Ich habe dann angefangen nebenberuflich zu beraten und erlebt, wie gerne ich auf diese Weise arbeite und wie schön es für mich als Mutter ist, meine Berufstätigkeit so flexibel gestalten zu können.

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Ich finde wichtig, dass Eltern darauf gefasst sind, dass in der Elternzeit auch Aufgaben auf uns zukommen, auf die wir uns so gut wie nicht vorbereiten können. Zweifelt nicht an Euch, wenn Ihr Euch fragt: „Wieso bin ich eigentlich nicht so glücklich, wie es mir vorgestellt habe, jetzt wo das Kind da ist?“ „Wieso kriege ich von all meinen Vorhaben so wenig auf die Reihe?“ „Wo bleibt die Paarbeziehung?“. Lasst Euch nicht von Erwartungen unter Druck setzen. Weder von Euren eigenen noch von denen anderer. Holt Euch Unterstützung, bildet Euch Euren „Clan“. Elternsein kann sehr schön sein, aber es bedeutet auch viel Arbeit, wenn man neben der Beziehung zu den Kindern auch noch die zu seinem Partner, zu Freunden und sein Berufs- und Privatleben weiter pflegen will. Für die Schultern einer isolierten Paarbeziehung ist die Aufgabe Kinder aufzuziehen häufig zu groß (erst recht für Alleinstehende!). Ich finde, diese Themen könnten in den klassischen „Geburtsvorbereitungskursen“ viel deutlicher angesprochen werden. Dort wird oft der Eindruck vermittelt, der herausfordernste Teil des Elternwerdens sei die Geburt. Dabei geht es doch mit der Geburt erst richtig los! Wie schön, dass es jetzt zur Unterstützung dabei auch elterngarten gibt. Die Zeit der Umbrüche und Veränderungen schafft auch oft den Raum, um noch mal ganz neu über berufliche und persönliche Themen nachzudenken, sich der eigenen Stärken und Fähigkeiten bewußt zu werden, Prioritäten zu setzen, Visionen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Ich freue mich sehr darauf, Eltern jetzt genau in dieser Zeit begleiten zu dürfen.