Christine Winnacker

Christine Winnacker

Impulszeit Elternzeit – Im Gespräch mit Christine Winnacker

Klar, dass dies ein besonderes Interview ist! Christine ist DIE Coach der ersten Stunde bei elterngarten. Tanja hat sie auf der Her Career Messe im Oktober 2015 kennengelernt und seit dem „verhaftet“. Jetzt haben schon so viele andere Coaches an der Impulsserie teilgenommen, es ist höchste Zeit auch Christine mal zu ihren Elternzeiten zu befragen! Danke Christine für das schöne Gespräch – und die tolle Zusammenarbeit!!

Erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist.

Ich heiße Christine (Jahrgang ’79), lebe im wunderschönen München und bin glücklich verheiratete Mama von einem Sohn (geb. 2011) und einer Tochter (geb. 2013).
“Eigentlich” bin ich Betriebswirtin und war, vor der Kinderzeit, in verschiedenen, mittelständischen internationalen Unternehmen unterwegs.

Während der Schwangerschaft mit meinem Sohn habe ich dann eine Coaching-Ausbildung begonnen – einfach, weil mich das Thema interessiert hat. Damals noch ohne den konkreten Plan, mich damit eines Tages beruflich selbständig zu machen. Dazu kam es dann in den darauffolgenden Jahren fast von alleine.

Und heute unterstütze ich nun als Vereinbarkeiscoach andere Mütter dabei, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen – damit der Spagat nicht zur Zerreißprobe wird und im schlimmsten Fall in Überforderung und im Burnout endet.

Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Meine beiden Elternzeiten waren sehr verschieden und haben mich auf sehr unterschiedliche Arten geprägt. Als ich mit unserem Sohn schwanger war, lebten mein Mann und ich gerade in den USA. Mein Mann hatte dort einen spannenden Job, ich fand mich ohne Arbeitserlaubnis plötzlich in der Rolle der Hausfrau wieder. Nachdem ich vorher jahrelang Vollzeit berufstätig gewesen bin, war das zunächst eine ziemliche Umstellung. Aber ich habe schnell angefangen, meine neuen Freiräume sehr zu genießen.

Nun war auch mein Umfeld in dieser Zeit ziemlich speziell, denn ich bewegte mich in einem Mikrokosmos von anderen Frauen, die ebenfalls Ihre Männer bei deren Auslandseinsätzen begleiteten. Die meisten von uns bekamen in der Zeit dort mindestens ein Kind. Das Timing dafür war ja auch einfach perfekt. Es war eine wunderbare, entspannte und glückliche Erfahrung für uns. Geradezu Märchenhaft!

Und die zweite Elternzeit, schon kurze Zeit später hier in München, war dann ganz anders. Zum einen gab es diesen Mikrokosmos nicht mehr. Und zum anderen hatten viele unserer Freunde hier noch gar keine Kinder. Ich dagegen hatte einen Säugling zu versorgen und ein Kleinkind, das Beschäftigung forderte – da ging es natürlich nicht mehr ganz so gemütlich zu bei uns.

Zudem waren hier in Deutschland die Signale von außen ganz anders. Es gab einfach mehr Erwartungen und Normen zu erfüllen. Viele fragten mich, wann und wie ich denn in die Berufstätigkeit zurückkehren wolle. Ob ich schon einen Krippenplatz habe für die Kinder und so weiter. Doch mir war nach der Erfahrung in den USA klar, dass ich auf keinen Fall in meinen alten Job zurückgehen wollte. Ich wollte viel Zeit für die Kinder haben und meine inzwischen lieb gewonnenen Freiheiten nicht aufgeben.

Hattest Du ein Impulserlebnis? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast?

Oh ja! Mein Impulserlebnis war vor allem das bewusste Erleben dieses Unterschiedes zwischen den beiden Elternzeiten in den USA und in Deutschland. Einmal in dem kleinen behüteten Mikrokosmos und einmal in der gesellschaftlichen Realität. Gerade diese Auszeit, der Abstand zum Druck des Alltages während der ersten Elternzeit war für mich ungemein wertvoll und hat mir viel Raum und Gelegenheit gegeben, mir darüber klar zu werden, wie ich mein Leben als Mutter in Zukunft führen wollte und was ich brauchte, um in meiner neuen Rolle glücklich und ausgefüllt zu sein.

Mir wurde klar, dass die meisten von uns Müttern diese Gelegenheit nicht bekommen und auch in so lebensverändernden Zeiten wie nach der Geburt eines Kindes kaum Auszeiten vom gewohnten Alltag haben oder inneren Abstand gewinnen können. Klar, einerseits schenkt uns das deutsche Prinzip der Elternzeit den räumlichen Abstand vom Job inklusive finanzieller Absicherung. Doch gleichzeitig wissen wir: Für einen erfolgreichen Wiedereinstieg heißt es, im Kontakt mit dem Arbeitgeber und den Kollegen zu bleiben. Überhaupt: Wiedereinstieg ist doch klar! Nach einem Jahr, oder?!

Aber ich spürte ganz deutlich: Ich will nicht zurück in ein Angestelltenverhältnis. Außerdem: warum sollte der erste Geburtstag meines Kindes bestimmen, wann ich wieder bereit für so eine Veränderung war? Mir war klar, dass ich hier meine eigene, individuelle Entscheidung treffen musste und keine faulen Kompromisse machen durfte, um nicht dauerhaft unzufrieden zu sein.

Mein Weg war dann sehr individuell. Ich fand glücklicherweise einen Job, in dem ich spannende Projekte komplett im Homeoffice betreuen konnte. Und das mit einem Stundenumfang, der mir genug Zeit für die Kinder ließ. Ich wagte den Schritt in die Selbständigkeit und folgte mit meinen Coachingangeboten meinem Herzensthema.

Was möchtest Du Müttern und Vätern mitgeben?

Ich wünsche allen Eltern, dass es ihnen gelingt, sich auf sich selber zu besinnen und ganz bei ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu sein.

Zwei Dinge finde ich hier besonders wichtig:

  1. Dass wir uns gönnen, auch mal Abstand zu gewinnen von all dem, was wir für unverrückbare Tatsachen in unserem Leben halten. Raus aus dem Alltag und rein auch in verrückt scheinende Ideen. Es muss ja nicht gleich die zwölfmonatige Rucksacktour rund um die Welt sein. Aber es kann…
  1. Dass wir uns bewusst machen, was wir eigentlich wollen und uns während der Elternzeit wirklich frei machen von all den Erwartungen und Konventionen um uns herum, um unsere innere Motivation und ganz eigenen Weg zu finden.

Und genau der zweite Punkt ist häufig Bestandteil meiner Coachings: meine Klientinnen dabei zu begleiten, ihre eigenen Träume mit Beruf und Elternschaft Realität werden zu lassen – und nicht in erster Linie die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Ich selbst lebe inzwischen gern nach dem Pipi-Langstrumpf-Prinzip: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Und mit Leidenschaft unterstütze ich meine Klientinnen dabei, dies ihrerseits ebenfalls zu tun.

PS: Danke an Felicitas von Imhoff für das tolle Foto von Christine!

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