Bianca Pollok

Bianca Pollok

Hallo Leipzig! Bianca Pollok bietet ab April die Elternzeit Basecamps für die Eltern in Leipzig an. Sie kam pro-aktiv auf uns zu. „Das ist eine so geniales Projekt, darf ich Teil davon sein?“ Wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit!

Erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist?

Mein Name ist Bianca Pollok. Studiert habe ich Psychologie, und ich liebe dieses Gebiet nach wie vor, weil es für mich nirgends so viel Vielfalt gibt – Vielfalt Menschen zu entdecken, zu entwickeln, zu fordern und zu fördern, Menschen zu verstehen und immer wieder neue Blickwinkel einzunehmen. Auch nach vielen Jahren der Arbeit mit Menschen lerne ich nie aus. Im Gegenteil. Ich habe eher den Eindruck, dass es mehr zu lernen, zu erleben und zu entdecken gibt, je mehr Erfahrung ich in der Arbeit mit Menschen und in meinem eigenen Leben habe.

Die inhaltlichen Themen, in denen ich mich schon viel ausgetobt habe (und mich auch immer noch austobe) drehen sich um Persönlichkeitsentwicklung durch Trainings oder Beratungen/Coachings sowie Personalauswahl und Potenzialanalyse. Das klingt sehr technisch, ist jedoch unheimlich spannend. Darüber hinaus habe ich auch viele Jahre Kollegen in Themen wie Stressmanagement, Entspannung oder mentalem Training weitergebildet.

Was meine berufliche Laufbahn angeht, war und bin ich immer noch ein Freigeist. Ich habe nur sehr kurz festangestellt gearbeitet und bin gefühlt schon immer freiberuflich tätig. Privat bin ich eher das Gegenteil. Ich lebe mit meinem Mann und unseren beiden Kindern (die aktuell 7 und 4 Jahre alt sind) in Leipzig. Mich hat es aus den nur mittelhohen Bergen des Thüringer Waldes in die Stadt gezogen, in der ich mich auch sehr wohlfühle. Nur hin und wieder überlege ich, ob eine ruhigere Lebensumgebung mal wieder ein Konzept für die Zukunft ist.

Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Beide Elternzeiten waren für mich sehr prägend. Ich gehöre zu den Frauen, die lange Zeit unschlüssig waren, ob sie überhaupt Kinder wollen. Am meisten Sorge hatte ich wegen der Verantwortung für einen anderen Menschen – und vielleicht auch Angst meine Freiheit zu verlieren. Unsere Entscheidung fiel dann auch erst um die 30, was nicht sofort zum Kindersegen führte. So hatte ich viel Zeit für mich und auch dafür, mich mit diesen diffusen Befindlichkeiten auseinander zu setzen.

Meine Sorgen und Ängste sind eingetreten – zunächst. Da will ich ganz offen sein. Beruflich hatte ich meine Entscheidung ja schon lange vor den Kindern getroffen. Die blieb auch bestehen, trotz eines gewissen kleinen Sicherheitsteufelchens, das ab und zu um die Ecke spazierte.

Aber die Frage, wie ich mich selbst als Mutter sehe, welche Rolle/n ich einnehmen und wie ich diese ausfüllen möchte, wie unser/mein berufliches Leben in Zukunft aussehen sollte/ würde und mit welchen Themen, in welchen Konstellationen ich zukünftig arbeiten möchte – das hat mich sehr stark beschäftigt. Und beschäftigt es noch, im Grunde täglich.

Nach der Geburt meines ersten Kindes wollte ich ganz schnell wieder arbeiten- und habe das auch getan. Als Freiberuflerin habe ich natürlich nicht Vollzeit gearbeitet, aber recht früh und immer wieder mal Aufträge angenommen. Das war spannend, aber auch anstrengend. Aber mir erschien es so, als müsste das so sein. Und trotz Kind, Mann und Elterngeld selbst Geld zu verdienen, befriedigte mein Verantwortungsangstmonster zumindest in gewissen Teilen und trotz Kind Aufträge anzunehmen, die auch mit viel Aufwand verbunden waren, befriedigte den Freigeist. Da bin ich einen langen Weg gegangen, um mich mit diesen Themen neu zu justieren und mich persönlich weiter zu entwickeln und Antworten zu finden. Beim zweiten Kind war ich entspannter und konnte die Elternzeit mehr genießen, obwohl der Alltag mehr Stress bot mit 2 Kindern war ich mit mir selbst einfach klarer, mit meinen Rollen und auch meinen Ängsten.

Für mich ist das Familienleben mit all seinen persönlichen und beruflichen Herausforderungen nach wie vor eine abenteuerliche Reise mit ihren Höhen und Tiefen. Und auch wenn meine Elternzeit (ich habe jeweils nur 1 Jahr gemacht) schon länger vorbei ist, begreife ich alles als Entwicklungsmöglichkeit, täglich auf jeder Ebene.

Ich hätte mir gewünscht, einen großen Teil der Reise vor allem in der Elternzeit mit mehr Unterstützung zu gestalten.

Hattest Du ein „Impulserlebnis“? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast?

Nein, das gab es bei mir nicht. Beruflich ging meine Reise ähnlich weiter wie vor den Kindern. Was sich allerdings sehr geändert hat, ist warum und wie ich die Dinge heute tue. Und davon profitieren die Menschen mit denen ich arbeite, ich selbst und meine Familie. Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, aber das ist die größte Entwicklung, die ich als Frau und Mutter überhaupt erleben konnte. Und das motiviert mich auch so sehr, andere Mütter auf ihrem Weg zu unterstützen – ganz gleich, ob eine große berufliche oder eine persönliche Entwicklung ansteht.

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Ich möchte ihnen mitgeben, dass es völlig in Ordnung ist, dass sich das eigene Leben erst mal völlig anders anfühlt als bisher und dass sich in Zukunft Vieles anders gestalten wird, als sie es sich manchmal erhoffen oder wünschen. Das ist ok. Das ist einfach das Leben mit Kindern. Und ich wünsche ihnen, dass sie die Chance ergreifen zu lernen genau dies zu genießen und gelassen anzunehmen. Wir Erwachsenen vermissen ja oft das kindliche Herangehen ans Leben. Und ich finde mit Kind in der Elternzeit kann ich genau das wieder zutage fördern und die täglichen Herausforderungen neu betrachten. So viele „erste Male“ hatten wir womöglich nur als Kinder und Jugendliche. Und sich selbst auf eine neue Weise kennen zu lernen, das Kind und auch den Partner (wobei ich nicht sage, dass es immer schön und leicht ist, was man da so entdeckt) eröffnet neben all den Herausforderungen auch wieder einen Raum mal in sich hinein zu hören und sich zu fragen, ob man das Leben mag, das man lebt und wie man es sich so gestalten kann, dass man das eigene Leben und sich selbst noch mehr mag – und den Mut, neue Wege zu gehen, die sich für einen selbst richtig anfühlen (auch wenn das Umfeld was anderes sagt). Ich wünsche dafür viel Entdeckerfreude, ganz viel Humor, Offenheit mit dem Partner und dann und wann auch mal ein liebes Familienmitglied oder gute Freunde, die das Kind mal hüten, wenn das mit dem Genuss und der Gelassenheit gerade mal nicht funktioniert…

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