Annette Bauer

Annette Bauer

Tanja (Klein) und Annette kennen sich über ihren gemeinsamen Coaching-Ausbilder. Als sie sich mit mir (Tanja Misiak) unterhielt, sprudelte sie gleich schon mit Ideen für elterngarten Köln! Durch ihre vielfältigen beruflichen Hintergründe und persönlichen Lebenserfahrungen und ihren Schwerpunkt „Achtsamkeit“ im Coaching ist sie eine tolle Bereicherung für unser Team. Hier erzählt sie uns, welche Erfahrungen sie mit ihren eigenen Elternzeiten gemacht hat und was sie unseren Eltern mitgeben möchte.

Erzähle uns kurz, wer du (heute) bist.

Hallo, ich bin Annette, 47 Jahre, mittlerweile alleinerziehende Mama von 2 Kindern, die schon etwas älter sind. Ich bin seit 2 Jahren systemischer Coach und seit einem Jahr gehört auch das Thema Achtsamkeit in meine Arbeit. Ich arbeite immer schon mit Menschen und bin in meiner Tätigkeit als Coach irgendwie „angekommen“, sowohl im Einzelcoaching, als auch in meinen Gruppencoachings. #ichliebemeinearbeit! Außerdem bin ich eine Ideenspinnerin und probiere immer wieder Neues aus und starte Projekte, mal klein, mal groß. Ich bin früher mal Buchhändlerin gewesen und bin studierte Dipl. Religionspädagogin und Erlebnispädagogin. Durch meinen Ex-Mann bin ich in Köln gelandet und habe an diese Stadt mein Herz verloren. Hier lebe ich mit meinen Kids sehr zufrieden. Meine Website.

Die Elternzeit war für dich eine prägende Zeit. Erzähl mal, warum war das so?

Erst mal war ich (bzw damals wir) konfrontiert mit einem unerfüllten Kinderwunsch. Fast fünf Jahre wollte ich gerne Mama werden, aber es klappte nicht. Als ich dann Mama war, hatte ich eine 18 Monate alte Tochter, die in Vietnam geboren war. Ein großes Abenteuer, das so ganz anders als eine leibliche Mutterschaft ist und doch auch so ähnlich. Ich wollte dann alles richtig machen und bin zuhause geblieben. Elternzeit eben. Als nach einem Jahr meine Schwiegermutter sagte: „Mädchen, geh endlich wieder arbeiten, du gehst ja hier ein!“, habe ich mir erlaubt, mir einzugestehen, dass ich meine Tochter über alles liebe, alles für sie tun würde, glücklich war, eine Mama zu sein, aber auch für mein Leben gerne arbeite! Ein Meilenstein für mich als Mutter und als Frau. Als dann mein Sohn zu uns kam, war ich überzeugte Working-Mum und schleppte ihn eben mit. Er war 13 Monate und brauchte mich auch einfach um sich. So gab es Teammeetings mit Kind. In meinem Job war das möglich. Für diese Erfahrung bin ich unendlich dankbar.

Hattest du ein „Impulserlebnis“? Was hat dazu geführt, dass du das, was du in deiner Elternzeit und danach getan hast?

Ich glaube, es war eher eine sehr existentielle Erfahrung. Ich habe immer schon gerne gearbeitet und auch gelernt. Immer neu. Ich habe verschiedene berufliche Wege eingeschlagen und fand dieses Neuland immer hochspannend. Während der Elternzeit war dann einerseits das Glück und andererseits eine für mich damals nicht definierbare Unerfülltheit. Da ich gerade meine Ausbildung zur Erlebnispädagogin gemacht hatte und auch in diesem Rahmen einen Übungsleiterschein C für Breitensport, habe ich mir eine Aufgabe gegeben, die kinderkompatibel war: Ich habe Kleinkinderturnen angeboten. Das war für eine Weile spannend und überbrückte mir die Zeit bis zum Wiedereinstieg in meinen Beruf als Seelsorgerin in einer katholischen Kirchengemeinde mit 10 Stunden in der Woche. Das alles war so existentiell, weil ich vorher immer nur für mich verantwortlich war. Nun hatte ich ein Kind und dachte, dieses kleine Wesen müsse doch die absolut höchste Priorität überhaupt haben! Hatte es, aber ich lerne mit echten Leidensmomenten, dass ich selbst für mich trotzdem auch Priorität haben durfte. Dass meine Bedürfnisse und das, was ich brauchte auch noch wichtig waren. Letztendlich wurzelte in diesem Lernprozess auch der Mut, noch einmal eine Ausbildung zu machen und den Weg in die Selbständigkeit anzusteuern.

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Habt Spaß! Hört auf euern Kopf und euern Bauch! Diese Zeit ist ein Geschenk, nutzt sie nicht nur als Familien und als Eltern, nutzt sie auch als ICH. Vergesst nicht, dass danach auch nochmal was kommt, das dann irgendwie normales Leben wird. Eltern, Mutter oder Vater werden verändert uns aus dem tiefsten Innern heraus. Und diese Veränderung braucht auch ihren Raum. Dazu gehört, dem ganz eigenen auf der Spur zu bleiben, achtsam und aufmerksam hin auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu bleiben. Meine These ist immer schon: Glückliche Eltern haben glückliche Kinder. Wenn wir als Mütter und Väter immer unausgeglichen sind, mit vielen unerfüllten Träumen und Sehnsüchten durch den Familienalltag gehen, uns selbst unwichtig zu werden drohen, weil alle anderen wichtiger sind, spüren das unsere Kinder. Sie werden unausgeglichen, ihnen fehlt das Vorbild der Eltern als „Traumerfüller“. Und da ist es ganz gleich, ob beruflich oder im sogenannten privaten Bereich. Seid gesunder Teil des Ganzen!