Anja Gäde

Anja war mittlerweile schon 3-mal in München und hat persönlich in unseren Elternzeit Basecamps hospitiert. Und dann sagte sie: „Jetzt erst recht! Das passt so gut!“ Dass wir gut zusammen passen, das haben wir dann in München auch gemerkt und ich freue mich jetzt wieder riesig über dieses Gefühl, dass Ideen, Begeisterung, Sympathie und Pläne zusammengehen und eine neue Realität entstehen lassen. Hallo Hannover, wie freuen uns auf Dich!

Erzähle uns kurz, wer Du (heute) bist.

Ich bin immer noch das „Rennpferd“, wie mich mein ehemaliger Chef gerne nannte. Heute weiß ich allerdings, es besser zu bändigen und kann auf meine eigenen Bedürfnisse hören. Meine Kinder helfen mir dabei, im Wechselspiel zwischen dem eigenen beruflichen Anspruch und der wertvollen Zeit mit der Familie zu pendeln.

Nach vielen beruflichen Stationen in Deutschland wohne ich mit meiner Familie inklusive Opa in unserem selbst sanierten Haus, bei dem nur noch die Grundmauern stehen geblieben sind. Da auch meine Mutter in unsere Nähe gezogen ist, habe ich mir damit zwei Wünsche erfüllt, die Familie nahe bei mir zu haben und ein altes Haus zu sanieren.

Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der schnell den IST-Zustand aufnimmt und neue Potenziale erkennt, in der Sache sowie bei meinem Gegenüber. Gerne lerne ich neue Persönlichkeiten und ihre Geschichte kennen. Es ist immer wieder spannend, nicht zu wissen, wer und was mich erwartet und welchen Weg wir gemeinsam einschlagen werden. Hierbei hilft es mir flexibel, kreativ und zugleich strukturiert und professionell zu sein. Das Verbinden all meiner Fähigkeiten macht mir beim Coaching besonders Freude. Daher habe ich mich nach 12 Jahren Berufserfahrung bei einem modernen Familienunternehmen, das seinen Mitarbeitern Arbeitswelten mit Wohnzimmeratmosphäre anbietet (Best Office Award Wiwo 2008), 2018 für das  Abenteuer Selbstständigkeit entschieden.

Hattest Du ein „Impulserlebnis“? Was hat Dich dazu geführt, das zu tun, was Du in der Elternzeit und danach getan hast?

Ich hatte viele Jahre schon das Bedürfnis nach Veränderung. Mein Berufsweg hat sich aus vielen Entscheidungen entwickelt, die ich aufgrund meines großen Sicherheitsbedürfnisses getroffen hatte. Mein ursprünglicher Berufswunsch, Psychologin zu werden, habe ich daher schnell verworfen und auch aus der Architektin wurde die Bauingenieurin. Nach einem weiteren Studium zur Wirtschaftsingenieurin, aufgrund der Baukrise, habe ich dann viele Jahre in der Logistik gearbeitet.

Bereits 2010, ich hatte gerade Karriere im Business Development gemacht, wusste ich, dass dieser Weg ausgelebt war und ich keine weitere Karrierestufe nach oben wollte.  Für mich war damals schon klar, dass ich mich horizontal entwickeln möchte. Allerdings hatte ich keine Idee, wie dieser Weg aussehen sollte. Nach vielen Jahren Fernbeziehung hatten wir uns 2008 unser altes Haus gekauft und waren 2010 auch immer noch mit der Kernsanierung beschäftigt. Ich pendelte damals fast 200 km täglich und versuchte Karriere und den Traum vom Haus zu realisieren. Als meine Kollegin, dann in Elternzeit ging und weitere Arbeit auf mich wartete, lernte ich meine Belastungsgrenzen kennen. Da ich immer noch keine Idee und keine Zeit für alternative Lösungen hatte, blieb ich in der Logistik und entschied mich für einen Stellenwechsel als Senior Projektmanagerin an einen nahegelegenen Standort. Erst die Elternzeit gab mir die nötige Auszeit, um wieder die Vielfalt in mir zu entdecken.

Die Elternzeit war für Dich eine prägende Zeit. Erzähl mal davon, warum war das so?

Die 1. Elternzeit war eine völlig neue und bereichernde Erfahrung für mich, die ein Stück Ruhe und Entschleunigung in mein Leben gebracht hat. Nach 5 Jahren Kinderwunschphase war ich der glücklichste Mensch auf Erden, endlich Mutter sein zu dürfen und eine kleine Familie zu sein. Ich habe diese Auszeit sehr genossen, gerne erinnere ich mich an die ausgedehnten Kinderwagentouren, die ich mit meinem Sohn täglich gemacht habe. Meine Hebamme sagte damals zu mir, sie findet es spannend zu sehen, wie ich mir alle möglichen Informationen aneigne und schlussendlich doch mein Herz entscheiden lasse. Trotz der Erfülltheit als Mutter, hat es mich nach einem Jahr wieder in den Job zurückgezogen. Meine Erwartung, meine Arbeit in Teilzeit als Mutter in gleicherweise fortsetzen zu können, wurde jedoch enttäuscht.

Nach der Geburt meiner Tochter habe ich mich daher bewusst für 3. Jahre Elternzeit entschieden. Es hat sich schnell gezeigt, dass diese Entscheidung auch die Richtige war, da ich mit meiner Tochter einen holprigen Start als Frühchen und Schreikind hatte. Es war beruhigend zu wissen, dass ich nicht nach der Elterngeldphase sofort wieder in die Arbeit einsteigen musste und ich noch Zeit für mich hatte. Ich habe früh angefangen kleine Zeitblasen zu nutzen, um etwas für mich zu tun. Da ich nicht wusste, wo mein Ziel ist, habe ich mich einfach auf den Weg gemacht und so z.B. mit einem Babbel Spanischkurs angefangen, bei dem ich mir meine Zeit frei einteilen konnte. Nachdem meine Tochter auch in der Betreuung war, füllte sich mein Kalender mit Seminaren, Netzwerkveranstaltungen, Messen etc.. „Es fühlte sich so verdammt gut an, etwas für sich zu tun.“

Als mir bewusst wurde, dass ich all meine Entscheidungen aufgrund meines Sicherheits-bedürfnisses getroffen hatte und ich aufhörte anderen dafür die Schuld zu geben, mich falsch in meinem Berufsweg beraten zu haben, wurde alles klarer. Schnell kam die Entscheidung eine Coaching-Ausbildung zu machen und auch schnell stand fest, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mein Thema wird.

Diese Auszeit war eine spannende Reise, die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe für mich herausgefunden, dass es in mir unterschiedliche Anteile gibt, die mich vorantreiben. Das „Rennpferd“ ist immer noch sehr präsent, aber auch die „Visionärin“ und die „Analystin“ deren innere Motivation es ist, das „Heute“ in die „Zukunft“ zu transportieren. Aber schlussendlich entscheide ich nachdem, was ich sehe und was ich fühle, um nicht den Kontakt zu mir selbst zu verlieren und immer wieder neue Prioritäten zu setzen, damit ich und niemand in meinem familiären Umfeld zu kurz kommt.

Was möchtest Du Müttern und gerne auch Vätern mitgeben, die jetzt gerade in Elternzeit sind?

Werdet Euch bewusst, welches Potenzial in der Elternzeit steckt! Nutzt die Auszeit auch für eure eigene Entwicklung, um euer neues Gleichgewicht zu finden. Bei all den Alltagsaufgaben, die uns täglich erwarten, versucht Euch trotzdem kleine Zeitfenster für euch selber einzubauen. Setzt euch nicht  selbst unter Druck, sondern macht euch auf den Weg und probiert euch aus. Die Veränderung kommt oft mit den vielen kleinen Schritten und nicht mit dem einen Großen.

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