Monat: August 2017

Ein Blick hinter die Kulissen: erste Elternzeit bei elterngarten

Und was ist mit elterngarten? Diese Frage wurde mir in den letzten Monaten öfters gestellt. Der Unterton war dabei in meiner Wahrnehmung immer der gleiche: Geht das denn weiter nach der Geburt Deines dritten Kindes? Wie soll das gehen?

Jetzt ist sie da, unsere kleine Tochter, letzte Woche gesund und proper geboren. Während ich das hier schreibe, liegt sie auf und neben mir, schläft oder trinkt und schaut einfach nur zuckersüß aus.

Ich genieße unsere Startzeit ins neue Leben, ihr neues Leben als Mensch, mein neues Leben als dreifache Mutter, unser neues Leben als „Großfamilie“.

Und was ist mit elterngarten?

Na spannender kann es ja gar nicht werden. Wir sind diejenigen, die mittlerweile deutschlandweit Möglichkeiten bieten die Elternzeit mit persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung zu verbinden. Wir vertreten die Meinung, dass Weiterentwicklung und Elternzeit keine Widersprüche sind – im Gegenteil. Wir stehen für gute Ideen während dieser besonderen Zeit, statt „entweder oder“ integrieren wir die Kinder in unser Leben und das was uns als Menschen ausmacht – nicht nur als Eltern. Wir laden gerne kreative und professionelle Gedanken ein, während wir gleichzeitig ein Baby stillen, spazieren gehen oder Brei zubereiten. Dafür müssen wir nicht bis zum Ende der Elternzeit warten. Meine beiden vorangegangenen Elternzeiten waren für mich jeweils immer inspirierend und besonders. Aus der zweiten Elternzeit ist elterngarten entstanden. In der dritten Elternzeit wird sich elterngarten sicher noch weiterentwickeln und wer weiß, vielleicht wird ja noch das ein oder andere ganz neue Projekt geboren. Prämisse für mich ist immer, dass es mit meiner Familie vereinbar ist, dass es uns allen gut geht, wir gesund und ungestresst bleiben. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten Elternzeiten ist vor allem: sich wenig vornehmen und dann dabei bleiben, das Richtige irgendwie tun, nicht irgendwas richtig tun.

Das Baby ist immer dabei und gehört zu allem dazu, es bestimmt meine Rahmenbedingungen, auch wenn es im Alltag oft nicht einfach ist. Ich erlebe, dass ein bisschen Ausgleich, ein paar kleine Projekte, gute Ideen oder mal ein berufliches Telefonat den Babyalltag durchaus bereichern können. Denn wir werden daran erinnert, wer wir sonst noch sind – neben Mutter oder Vater. Und damit will ich keine Wertung implizieren. (Darüber, was der Elternteil zu Hause „wert“ ist, hatte ich in unserem letzten Blogbeitrag geschrieben.) Alles in Maßen natürlich. Prioritäten sind klar. Doch wer vor der Geburt einen guten Job hatte, der möchte oft gar nicht komplett darauf verzichten: professioneller Austausch, denken, analysieren, Ideen generieren, umsetzen, netzwerken. Ich weiß, dass ich hier für viele Eltern in Elternzeit spreche und damit auch an die Arbeitgeber appelliere: Eltern sollten die Möglichkeit bekommen, kleinere Projekte auch während der Elternzeit fortführen oder neu starten zu dürfen – wenn es passt, gut vereinbar ist mit den familiären Rahmenbedingungen und inhaltlich reizvoll genug.

Walk the talk.

Wo, wenn nicht direkt bei elterngarten, kann die Elternzeit auch entsprechend gelebt werden? Ich bin ja auch nur eine, dieses Jahr folgen immerhin noch zwei weitere Babys intern bei elterngarten!

Jetzt liege ich hier im Wochenbett mit dem Tablet in der Hand und schreibe meinen ersten Blogartikel in meinem neuen Leben. Und ich kann nur sagen, und dabei natürlich auch nur von mir persönlich sprechen: es ist wunderschön im Wochenbett zu sein, das kleine Wunder dabei, und gleichzeitig die Fühler nach draußen auszustrecken, in wohldosiertem Maß, das ich selbst bestimme und das täglich variieren kann. Ich möchte mir nichts vornehmen, aber ich möchte doch gerne die Möglichkeit haben schreiben und veröffentlichen zu dürfen, wenn eine gute Idee da ist. Und damit vielleicht die ein oder andere Mutter (und gerne auch Väter) zu inspirieren, es ebenfalls auszuprobieren. Elternzeit ist natürlich die Zeit des neuen Erdenbürgers, aber es ist auch die Zeit für Dich. Die perfekte Zeit zum reflektieren, zum innehalten, Ideen zu bekommen und diese auszuprobieren.

Und elterngarten läuft natürlich weiter!

Das Timing für meine Elternzeit ist perfekt, denn die Basis von elterngarten steht. Wir sind ein tolles deutschlandweites Team aus kreativen, engagierten und selbstbestimmt arbeitenden Coaches und Trainern.

Interne Antwortzeiten verlängern sich eventuell hier und da, im Team nehmen wir schon immer viel Rücksicht auf unsere jeweiligen Familiensituationen. Dabei spielt vor allem das Vertrauen eine große Rolle. Hier und da übernimmt halt auch mal jemand etwas, was eigentlich nicht im eigenen Aufgabenbereich liegt. Dabei zieht vor allem die Kraft der elterngarten-Idee: wir haben einfach Lust die Idee nach vorne zu bringen. Wir stehen im Dienst der Idee und da unterstützt uns die flexible Arbeitsweise in unseren internen Reihen.

Selbstbestimmtes Arbeiten, Vertrauen, Rücksicht – das leben und erleben wir. Wir testen was geht und wie weit und laden alle Interessierten ein uns dabei zu begleiten!

 

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Über Partnerschaft, Elternzeit und Weiterentwicklung.

Was hat die Partnerschaft in unserem Blog verloren, wo es bei elterngarten doch um die persönliche und berufliche Weiterentwicklung geht?

In unseren Elternzeit Basecamps beobachten wir immer wieder, wie die Eltern (meist Mütter) beschreiben, wie wenig der (arbeitende) Elternteil präsent ist – nicht nur körperlich, sondern auch und vor allem in den vielen Überlegungen und Gedankenschleifen rund um die Frage „Wie geht es weiter mit mir?“. Alle Karten auf den Tisch: Im Alltag ruft die Arbeit, das Kind schreit, die Zeit drängt, Einkäufe müssen erledigt werden und nicht selten steht „ganz nebenbei“ noch ein Umzug an. In den ersten zwei Jahre nach der Geburt kann man von der Partnerschaft nicht allzu viel erwarten*. Es ist schon mal viel erreicht, wenn die Eltern als Team gut funktionieren. Doch „nur“ das Funktionieren reicht nicht, wenn beide Partner Ambitionen haben sich persönlich und beruflich weiterentwickeln zu wollen.

In unseren Elternzeit Basecamps und auch Einzelcoachings taucht immer wieder ein ähnliches Muster auf. Der zu Hause gebliebene Elternteil, meist eben die Mutter, verliert stetig an Selbstbewusstsein und wird zunehmend frustriert. Die Decke fällt auf den Kopf und der Mangel an Möglichkeiten für einen professionellen Austausch unter Erwachsenen tut sein Übriges dazu. Dabei spielt die Partnerschaft aus unserer Sicht eine tragende Rolle. Warum?

Vermisste Wertschätzung

Der Knackpunkt für zunehmende Frustration ist oft die vermisste Wertschätzung – wenn diese nicht vom Partner kommt, woher soll sie sonst kommen? Vom Kind zu Hause kann diese nicht erwartet werden. Da der Job wegfällt, fällt hier ein wesentlicher Feedbackkanal aus. Gerade engagierte und ambitionierte Eltern haben sich bisher stark über ihre Jobs identifiziert und ihren „Wert in der Welt“ am Beitrag für ihren Job und an ihren bisherigen Leistungen gemessen.

Oft haben die weiter arbeitenden Partner gar nicht auf dem Radar, dass das Thema „Wertschätzungsmangel“ so präsent ist. Und die betroffenen Eltern geben sich oft selbst zu wenig Wertschätzung für das, was sie tagsüber (und nachts) alles so wuppen. Wie oft haben wir das bei elterngarten schon gehört: „Haushalt, Baby und Co: das kann ja jeder, dafür habe ich nicht studiert.“ Und genau hier möchten wir einhaken, denn vielen Eltern könnte eine veränderte Haltung das Erleben der Elternzeit wesentlich verändern – und folglich eventuell das ganze Leben, denn Entscheidungen und Handlungen während und nach der Elternzeit sind entscheidend für alle weiteren Schritte und werden je nach Ausgangslage anders ausfallen.

Sich Freiräume schaffen

Die Qualität der Partnerschaft trägt also unserer Erfahrung nach wesentlich dazu bei, dass die Elternzeit als Feld der Möglichkeiten (für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung) und nicht als Sackgasse wahrgenommen wird. Partnerschaft sollte eine Energietankstelle sein*. Hier sollte Platz für Träume sein. Für gemeinsame – aber auch für persönliche und berufliche Träume. Hier sollten Freiräume geschaffen werden und Ermöglichung gelebt werden. Auf Augenhöhe, für Beide, dem Elternteil zu Hause und dem im Job. Doch wie soll das gehen im Elternzeit Alltag? Es ist viel leichter, dass der eine Elternteil den anderen Elternteil einfach „abhängt“.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Wertschätzung für die jeweiligen Rollen in der Familie sehr wesentlich ist für die erlebte Qualität der Elternzeit und nicht zuletzt für die Qualität der getroffenen Entscheidungen hinsichtlich weiterer Schritte mit der Familie und dem Beruf. Die Rolle der zu Hause bleibenden Person ist neu und die Partner müssen sich neu organisieren statt so weiterzumachen wie bisher nur gefühlt in eingeschränkter Form. Hier ist es gefährlich das Denken zu reduzieren auf die Aussage, dass ein Partner jetzt „zu Hause ist, nichts mehr leistet und weniger oder nichts mehr verdient“. Das ist zu kurz gesprungen. Der Partner zu Hause hat nun einen anderen Job mit einer anderen Vergütungslogik, er sollte sich auch über die neue Rolle definieren und identifizieren können, und nicht nur über das, was mal vor der Geburt war. Dabei sollten sich die Partner gegenseitig unterstützen.

Weiter denken: Sich ein eigenes System schaffen

Auch finanziell – denn in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem müssen wir uns in der Partnerschaft und vor allem in der Elternzeit unsere eigene Logik bauen. Oft erleben wir leider, dass Geld als implizites Machtmittel missbraucht* wird. Der Partner zu Hause, der nun weniger oder gar nichts mehr verdient, begibt sich in eine gefühlte Abhängigkeit vom arbeitenden Partner (was wiederum hinterlegt, dass der Elternteil zu Hause „nichts wert ist“…). Da das Basecamp bei uns auch etwas kostet und nicht alle Arbeitgeber eines zahlen, müssen TeilnehmerInnen sich oft die Teilnahme am Basecamp in der Familie „hart erkämpfen“ und haben zusätzlich noch ein schlechtes Gewissen, da das ausgegebene Geld nicht ihres ist, sondern eine „Spende“ des Partners. Dass wir uns hier nur mit Glaubenssätzen beschäftigen und diese auch geändert werden können ist vielen nicht bewusst. Wie stark machen wir uns abhängig vom Wirtschaftssystem da draußen? Bzw. wie schaffen wir uns unser eigenes System, was besser zu unseren Werten passt – und sei es nur in unserem Mikrokosmos Familie.

Wenn die Partner wirklich daran interessiert sind sich gegenseitig in ihrer Entwicklung zu unterstützen, wenn sie trotz der finanziellen makro-systemisch bedingten schiefen Rahmenbedingungen auf Augenhöhe bleiben, dann entsteht ein anderes Selbstverständnis. Der weiter arbeitende Partner hat ein Kind und kann nur deswegen arbeiten und Karriere machen, weil der andere Partner ihm den Rücken freihält. Wieviel ist das dem arbeitenden Partner wert? Wieviel ist dem arbeitenden Partner wert, dass das Familienklima gesund ist? Dass Zufriedenheit überwiegt? Dass der Partner nicht gestresst ist? Die Kinder glücklich? Dass sich die Familie weiter gesund entwickeln kann? Dass alle zufrieden sind? Die meisten Partner würden sagen, dass das am allerwichtigsten ist. Und wenn sie tagsüber nicht dabei sind und nicht die kleinen und großen Wutanfälle, Küchenkatastrophen, durchgeschrienen Besorgungsfahrten oder verpatzten Mittagsschlafe erleben (was oft stressiger ist als die stressigsten Meetings im Office) dann ist Frage angebracht: „Was können wir wie füreinander tun, damit es uns gut geht?“ Aus unseren Erfahrungen können wir sagen, dass hier die Teilnahme an einem Basecamp oft schon mal ein großes Signal ist für das Leben auf Augenhöhe und das Interesse an der jeweiligen Weiterentwicklung des Partners – egal ob zu Hause oder im Job.

Die Partner sollten sich in den neuen jeweiligen Rollen erkennen und wertschätzen. Wenn sich die Partner ermöglichen, sich gegenseitig unterstützen mit den Ambitionen und Träumen und Plänen, dann kann auch die Elternzeit genutzt werden als Feld für Weiterentwicklung – für alle Beteiligten.

* Lesetipp, das neueste Buch unseres elterngarten Coach Sascha Schmidt:
„Wieder Paar sein – Erfüllte Zweisamkeit trotz Arbeit und Kind“

Dieser Artikel wurde in redigierter Form auch bei EditionF veröffentlicht:
Die Elternzeit stellt eine Beziehung auf Augenhöhe auf die Probe – das muss aber nicht sein

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